Ohne harte Arbeit geht es nicht

Heute mag ich gar kein langes Vorwort schreiben.

Kurz: Wenn ich in Zukunft für ein Projekt oder einen Auftrag eine Grafik-Design Agentur benötigen würde, würde ich mich für Fromm&Froehlich entscheiden.

Warum? Ich kenne die Besitzerinnen Christina Poser und Susann Hummitzsch aus einem früheren Arbeitsleben, wo ich anderthalb Jahre intensiv mit Fromm&Froehlich zusammen gearbeitet habe. Und vor allem sehr gern.

Ich weiß, ob ich mit der Konzeptionierung eines Trend-Magazins, der Gestaltung eines Kinderbuches oder der Kampagne für ein neues Fahrzeug-Modell daher komme  – die schnellen Gehirne der beiden würden anfangen zu rattern, sie würden sich intensiv in die vorhandene Materie einarbeiten und hervorragende Ergebnisse liefern. Wie man so vielfältig aufgestellt sein kann? Ganz einfach: Weil sie es können!

Stets professionell, lösungsorientiert, beratend, kreativ und mit einer gehörigen Portion Schlagfertigkeit ausgestattet.

Das Fromm&Froehlich noch Zweifach-Mütter sind und Ehegatten zu betreuen haben – geschenkt.

Vorbilder

Für mich sind sie auf jeden Fall große Vorbilder und Inspiration, seine Talente, Fähigkeiten und Leidenschaften zu bündeln und damit etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.

Selbsterklärend, dass ich sie über ihren Weg und Job interviewen wollte.

Naja, und außerdem war mal wieder ein Besuch in ihrem Büro in der Schwägrichenstraßen in Leipzig fällig. Da gibt es nämlich immer Tolles zu entdecken.

Vor dem Gespräch warnte Susann bereits: „Vorsicht, ich bringe Sprichwörter oft durcheinander!“

Wir werden sehen…

girlbosses

 

Wie kam es dazu, dass ihr Eure eigenen Chefinnen wurdet? War das schon immer ein klares Ziel von Euch irgendwann auf eigenen Füßen zu stehen? Oder seid ihr da mehr oder weniger reingerutscht?

Christina: Wir haben vorher zusammen in einer Werbeagentur gearbeitet und dort unseren Ausbildungsweg beschritten.  Irgendwann kam der Punkt, an dem wir uns dann selbstständig gemacht haben.

Wir sind wirklich mehr oder weniger reingeschubst worden. Eigentlich war das nicht der Weg, den wir uns vorgestellt hatten. Aber irgendwann war es in der Agentur so, dass wir unterschiedliche Ansichten hatten wie man mit Kunden arbeitet und wie unsere Vorstellung von einem modernen Unternehmen ist. Daher war ein erster Gedanke etwas anderes auszuprobieren. Als ich in Elternzeit gegangen bin und während dessen gekündigt wurde, war das für mich der Auslöser von „Und jetzt packen wir es an! Das kriegen wir auch so hin!“

Außerdem denke ich, dass es als Mutter mit Kleinkind sehr schwer ist wieder zügig  in eine Festanstellung zu gehen. Deshalb war das der logische Weg sich selbstständig zu machen und Christina musste dann mehr oder weniger mitziehen, da sie auch schwanger wurde und in Elternzeit ging. (beide lachen)

 

Ah okay, Eure Kinder haben Euch zu Fromm&Froehlich gemacht.

Beide: Genau!

Susann: Die Umstände und die Kinder waren der Auslöser für Fromm&Froehlich.

 

Und der Name entstand wie? Ihr habt schließlich andere Nachnamen.

Christina: Frisch, fromm, fröhlich, frei ans Werk. Frech und faul hat nicht gepasst.

Susann (wirft ein): Die Domain dafür haben wir trotzdem. Das ist Unsere.

C: Exakt. Frisch und Frei war eine komische Kombination. Das klang für uns eher nach Lebensmittel. Also haben wir uns spontan abends im Café Cantona bei einem Getränk für Fromm&Froehlich entschieden.

Vasen

 

Wenn ihr an den Start zurückdenkt. Ihr habt beschlossen: So, wir gründen jetzt eine Agentur. Und dann? Sucht man sich ein Büro und sitzt dann dort. Wie lief das mit der Kunden-Akquise? Gab es Fallstricke?

C: Wir hatten Glück. Das muss man ehrlich sagen. Es gab einen Kunden, der auf uns zugekommen ist. Das heißt, wir haben in einer exponierten Stellung angefangen, in der wir wussten, es gibt jemanden, der zumindest dafür sorgt, dass wir die Büromiete und Grundgehalt finanzieren können.

Nichtsdestotrotz war es ein Risiko. Wenn der Kunde einen Rückzieher gemacht hätte, hätten wir mit leeren Händen dagestanden.  Aber das war so der erste Punkt, an dem wir gesagt haben, wir gehen das Risiko ein. Dann wurde der klassische Weg bestritten. Ordnungsamt, IHK. Wir verfassten in kürzester Zeit einen Businessplan.  Der musste super aussehen, aber auch ein vernünftiges Fundament haben, was Zahlen angeht. Das war viel Nachtarbeit.  Wir haben richtig rangeklotzt. Und das mit kleinen Kindern. Meine Tochter war vier Monate und Susanns Sohn ein Jahr alt.

Wir fanden ein winzig kleines Büro von 18 qm in der Käthe-Kollwitz-Straße, haben das „voll Ikea“ eingerichtet, jeder einen Rechner, ein Drucker und dann ging es los.

Eure Vorkenntnisse hattet ihr durch Ausbildung und dem Job davor. Was waren Eure Aufgaben in der Werbeagentur?

S: Ich habe meine Ausbildung als Mediengestalter  gemacht und bin dann in der damaligen Agentur zur Festanstellung übergegangen, bis ich schwanger wurde. Das war meine Vorgeschichte. Dort haben wir uns kennengelernt. In der Ausbildung waren das Beistellaufgaben für diejenigen, die schon lange im Geschäft sind. Das waren nicht wirklich kreative Aufgaben. Irgendwann reichte es  mir nicht mehr. Mit einem Platzwechsel intern, saß ich jemandem gegenüber, der mir ein wenig Impulse gab, doch noch anderes auszuprobieren. Ich habe dort im Prinzip neue Wege und Methoden kennengelernt, die mir auf jeden Fall für die Selbstständigkeit geholfen haben, als nur ständiges Texte abtippen oder Fließtexte schreiben für Autoanzeigen.

C: Ich hab mein Studium absolviert und  in der Buchhaltung der Agentur gearbeitet. Als später eine Kollegin aus dem Unternehmen ausgeschieden ist, wechselte ich zum Produktionsmanagement. Ich übernahm das komplette Projektmanagement und Projektsteuerung, teilweise aber auch die Abrechnung und Buchhaltung. Also alles was verwaltend war.

 

Und wie sieht die Aufgabenteilung bei Fromm&Froehlich aus?graphic design agency

Schlagabtausch Christina und Susann.

C: Genauso!

S: Genau. Ich mach immer noch die Fließtextanzeigen. (alle lachen)

S.: Diese grobe Aufteilung gibt es tatsächlich immer noch. Christina ist für die „bürokratischen“ Dinge in unserem kleinen Unternehmen zuständig und ich für die grafischen Sachen. Wobei das ein oder andere ab und an überschwappt, wenn es nicht anders geht. Weil der Zeitaufwand für das Grafische manchmal doch größer ist. Deshalb muss Christina mit ran.

 

Gibt es überhaupt einen klassischen Agenturalltag? Oder präziser:  Wie sieht denn so ein Agenturleben aus? Als Außenstehender hat man ja immer spezielle Vorstellungen.

S (schmunzelt): Wie ist denn deine Vorstellung?

 

Erwischt! Öhm, also, mhh… man sieht Euch ständig auf Business Meetings und beim Lunch. Dann aber auch die halbe Nacht vorm Rechner verbringend. Und ihr seid permanent von kreativem Stuff und Menschen umgeben.

S: Die halbe Nacht vorm Rechner verbringen, funktioniert schon daher nicht mehr, weil wir Kinder haben und selber am Abend völlig platt sind. Das heißt, wir müssen unsere Arbeit tagsüber schaffen.

Wir kommen früh um halb neun. Dann wird erst einmal ausführlich geschwatzt und diskutiert. Dann werden Projekt-orientiert und Kunden-orientiert die Dinge erstellt und erarbeitet. Wir sind fast gar nicht auf Business Meetings. Was man immer denkt, was man machen muss: Sich viel treffen, sich viel zeigen, dass ist so ganz und gar nicht unser Ding. Wir machen lieber mehr. Wir haben auch genug zu tun, als das wir viel unterwegs sein könnten.

C: Ich denke, das ist eh ein Mythos. Das ist etwas, was man Werbeagenturen nachsagt, dass die Leute dort den ganzen Tag herumscharwenzeln, in Cafés sitzen und so ein bisschen „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“-Alltag haben. Sich immer irgendwo treffen und brainstormen und total kreativ sind. Es steckt aber ganz viel harte Arbeit dahinter. Man muss einfach Dinge über den Tisch kriegen. Hat Deadlines.

Da ist viel stille Arbeit dabei, wo man nur am Rechner sitzt, seinen Mund hält und in seinem Kopf strukturiert und formt. Um am Ende den Kunden etwas zu präsentieren, was eben nicht nur super kreativ, sondern eben auch umsetzbar ist.  Man muss immer gucken, ob es machbar ist. Gleichzeitig aber nicht nur die Machbarkeit im Auge behalten, sondern auch die Kreativität nicht aus den Augen lassen. Es ist eine Kombination.

 

 

Wie findet ihr Euch, wenn ein neues Projekt ansteht? Wenn es zum Beispiel mit einem Kunden Kontroversen gibt oder ihr Euch untereinander nicht einig seid.

S: Kopf in den Sand stecken…hilft meistens nicht.

Die Situation gibt es Kunden-abhängig immer mal wieder. Es gibt Kunden, bei denen trifft man mit seinen Entwürfen gleich ins „Schwarze“, und dann gibt es Kunden, die haben von vornherein eine andere Vorstellung.

In diesem Fall heißt es halt nochmal die Sachen überdenken, den Input des Kunden mit aufnehmen und daraus wieder eine neue Strategie basteln. Da heißt es für uns zu schauen, was hat der Kunde bislang gemacht. Welche Richtung gefällt ihm.

Man fängt wieder von vorne an, solange bis eine gemeinsame Lösung gefunden wird. Die dem Kunden gefällt, aber auch uns gefällt. Denn was uns nicht gefällt, können wir auch schlecht vertreten und guten Gewissens bis zur Produktion fertigstellen.

Kunstbücher

Ihr habt Kunden aus unterschiedlichsten Branchen. Jeder kann zu Euch kommen?

S: Wir betreuen Kunden von ganz klein bis ganz groß. Also, das Geburtshaus von nebenan, wie die großen Software-Unternehmen, die weltweit Niederlassungen haben. Wir machen keine Ausnahmen.

Eher im Gegenteil. Wir profitieren davon. Man fährt sich nicht fest. Wenn du verschiedene Kunden hast, musst du auch immer verschiedene Lösungen finden. Das macht das Ganze abwechslungsreich.

Für eine Branche zu arbeiten ist zwar nicht per se langweilig, weil du ja auch für den einen Kunden immer Projekte weiterentwickelst. Aber es ist doch reizvoller verschiedene Kunden zu betreuen.

 

Ihr habt ja mittlerweile beide zwei Kinder. Wie kriegt ihr das überhaupt alles unter einem Hut?

C: Das ist unterschiedlich. Es gibt Wochen, da läuft es wie geschmiert. Und dann gibt es die Wochen, wo die Kinder abwechselnd krank sind, dann wird man selber krank, dann kommen Deadlines, dann klappt auf Arbeit etwas nicht. Plötzlich hakt es in diesem supergeschmierten Uhrwerk. Da gibt es kein Geheimrezept. Man muss einfach durch und durchhalten.

Ein Riesenvorteil und ein Riesenglück: Wir wissen jeweils um die Situation des Anderen, weil wir in derselben Situation stecken. Ich glaube, dass dieses Backup, wenn jemand mal ausfällt, bei uns sehr selbstverständlich ist. Man hält sich das nicht vor.

Letztens bei mir: Meine Kinder waren beide krank und ich musste vom Home Office aus arbeiten. Das ist kein Problem, weil das Verständnis des Anderen da ist und man nicht in diesen Rechtfertigungsmodus kommt und anfängt ein schlechtes Gewissen zu haben, weil man jetzt gerade nicht im Büro sitzt. Trotzdem geht die Arbeit über den Tisch. Und man macht sie trotzdem gut.  Nur auf eine andere Art und Weise.

S: Das bringt auch die Selbstständigkeit mit sich. Du musst!

Es gibt kein „Ich setze jetzt ein halbes Jahr lang aus und mach mein Ding.“ Das heißt, wenn du selbstständig  in einer Partnerschaft bist, hast du dir und dem Anderen gegenüber auch die Verpflichtung es so gut es geht zu machen. Mein Vater hat immer gesagt „Arschbacken zusammen kneifen“ – und dann loslegen bis es geschafft ist. Wir versuchen uns schon gegenseitig Arbeit abzunehmen, soweit es geht. In Krankheitssituationen heißt es tatsächlich mal abends  arbeiten. Das passiert aber selten und ist mittlerweile eher die Ausnahme.

C: Das ist das Gute, wenn man Kinder hat und seine Arbeit wuppen muss. Man ist in der Lage in kürzester Zeit sehr effektiv zu arbeiten, weil man genau fokussiert ist auf „Was muss wann erledigt werden.“ Das ist, glaube ich, was man durch Kinder lernt: sich zu organisieren.

S: Und mir tut es auch gut unter Druck zu arbeiten. Wenn man weiß, es existiert nur dieses eine Zeitfenster, dann schafft man das auch.

Graphic design books

Wenn ihr jetzt anderen Ratschläge geben könntet: Was sollte jemand mitbringen, um so eine Agentur wie ihr auf die Beine zu stellen bzw. was ist das Rüstzeug, um sich selbstständig zu machen?

S: Nicht gleich bei der ersten Hürde aufzugeben, sondern aufzustehen und weiterzumachen. Weiter machen, weiter machen, weiter machen. Und auch mal über den Schweinehund drüber – ähm – jetzt haben wir das mit den Sprichwörtern. (schallendes Gelächter)

Einfach die Grenze auch mal zu überschreiten. Ohne harte Arbeit geht es nicht.

C: Ich glaube, wichtig ist es auch, dass man Vertrauen hat. Wenn man etwas gefunden hat, was man wirklich liebt, dann ist das vielleicht nicht das, womit man Millionär wird, aber es ist das, was einen jeden Tag wieder aufstehen lässt. Wenn man einen Job hat, den man hasst, wird man nie gut drin sein.

Es gibt einem immer wieder Antrieb, wenn man seinen Job liebt. Und es macht es leichter, um eine Durststrecke zu überstehen oder wenn mal etwas nicht so läuft. Man muss sich wirklich überlegen, ob es das ist, was man für längere Zeit machen möchte. Wenn man sich für einen Job oder eine Karriere entscheidet, weil dieser gerade gefragt ist oder man denkt, damit kann ich viel Geld verdienen, man aber den Job hasst, wird es nie das sein, worin man Erfüllung findet. Es ist wichtig, dass man am Ende des Tages irgendetwas gemacht hat, was einen Befriedigung und Freude gibt.

 

Woher bekommt ihr Inspiration für Eure Tätigkeit?

C: Das ist sehr verschieden. Einfach mit offenen Augen durch die Welt gehen. Nicht engstirnig und verbohrt sein.

S: Ich finde Inspiration in ganz vielen Lebensbereichen  – zuhause, unterwegs, ich blättere viel in Zeitschriften, nicht nur in Fachmagazinen, sondern auch Allgemein, Interieur, Garten, Reisemagazine … Was mir eben in die Hände kommt, aber irgendwie immer mit ästhetischem Bezug.

Wir schauen aber natürlich auch auf den amerikanischen und skandinavischen Markt, was dort gerade passiert. Es wäre ja doof, wenn man nicht dahin blickt, wo Trends entstehen.

C: Man muss immer am Ball bleiben. Wir arbeiten in einem Geschäft, wo man es sich nicht leisten kann einen Zug zu verpassen.

 

Was ist für Euch das Positivste bei „be your own boss“?

C (wie aus der Pistole geschossen): Selbstbestimmung.

Ich bin für jede gute Sache, aber auch für jeden Fehler, den ich mache selbst verantwortlich. Für alles, was ich in meinem Beruf tue, halte ich den Kopf hin. Das ist sicherlich nicht immer angenehm, wenn man doch mal einen Fehler macht. Es ist aber viel angenehmer, als den Kopf für den Fehler anderer hinzuhalten. Das ist auch das, was ich aus der Erfahrung „Angestelltenverhältnis VS. Selbstständigkeit“ mitnehme.

S: Dem kann ich dir nur beipflichten.

 

 

Liebe Fromm&Froehliche, ich bedanke mich recht herzlich, dass ihr Zeit für dieses Interview gefunden habt! Fand es sehr spannend…der Kuchen ist aber auch lecker.

FRide

Frida Kahlo, desktop

 

 

 

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